This interview was done with Georg Endres and Dirk Wackernagel from www.lauftreff-franken.de

Der Trans Australia Foot Race hautnah erlebt von: Georg Endres aus Nürnberg

Nürnberg, Georg Endres. Nachdem das deutsche Team in den ersten 6 Tagen durch Gabriele Holters betreut wurde und vorab bereits klar war, dass Gabriele zurück nach Deutschland mußte, war seitens der Organisatoren eine Betreuung bis zu meinem Eintreffen zugesagt und versprochen. Wie aus den bereits vorliegenden Berichten zu erwarten war, wurde natürlich seitens der Organisatoren keine Betreuung zur Verfügung gestellt. Als glücklicher Umstand erwies sich, daß Peter Pfister, ein seit vielen Jahrzehnten in Australien lebender Schweizer, sich bereit erklärte, die Betreuung kurzfristig bis zu meiner Ankunft zu übernehmen.

Ich traf dann durch glückliche Umstände den TA-Konvoi am 21.01.2001 nachts in Caiguna an, wo ich die Deutschen in einem Motel begrüßte. Ich bemutterte dann das deutsche Team von Caiguna (1160 km) bis Tailem Bend (ca 2980 km), wo Gabriele die Betreuung wieder übernahm. Rückblickend fielen in diese Zeit die Durchquerung der Nullabor-Wüste, der tragische Tod von Bryan Smith, die Rückkehr in die Zivilisation nach Ceduna, Port Augusta, Adelaide und der Aufbruch nach Südosten.

LTF: Wie waren Deine ersten Eindrücke, als Du die Betreuung übernahmst?
Als ich ankam, schien die Stimmung bei allen deutschen Läufern auf dem absoluten Tiefpunkt angekommen zu sein. Wasserknappheit, hohe Temperaturen von über 40 °C, extrem lange Etappen, z.T. fehlende Duschen nach dem Lauf, vorhandene Blessuren usw. zehrten an der psychischen, mentalen und körperlichen Verfassung der einzelnen Läufer. Man muss sich nur vorstellen, nach einem 90 km Lauf bei 40°C am Abend keine Duschmöglichkeit zu haben und dann zusammen mit 5 weiteren Personen in einem engen, unaufgeräumten und voll beladenen Wohnmobil zu schlafen. Und das, nachdem bereits 14 Etappen in den Knochen steckten.

Durch die improvisierte Betreuung durch Peter Pfister war es erforderlich, daß das deutsche Team trotz individueller Laufrhythmen und Geschwindigkeiten gemeinsam lief. Stefan, Helmut, Karlheinz und Markus konnten sich auf ein durchschnittliches Lauftempo von 7–8 km/h einstellen. Am meisten litt darunter Wolfgang Schwerk, der im weiteren Rennverlauf durchschnittlich um die 10 km/h lief. Wolfgang mußte also gegen seinem Rhythmus langsamer laufen und zog sich zwangsweise Blasen zu.

Bei meinem Eintreffen waren die Füße von Markus eine einzige Blase. Markus berichtete mir, daß er an unvorstellbaren Schmerzen litt, jedoch aus Erfahrungen vom New York - Lauf auf Besserung hoffte und ans Aufgeben gegenwärtig noch nicht denke. Stefan und Karlheinz waren noch nachhaltig von ihrer eigenen Entscheidung auszusteigen und dies dann wieder zu revidieren irritiert und verunsichert. Nur Helmut schien bei meiner Ankunft guter Dinge zu sein.

In den ersten zwei Wochen war ich neben der üblichen Betreuung vorwiegend mit Kochen und Erfüllen der individuellen Wünschen beschäftigt. Nach meinem Eintreffen organisierten wir die Betreuung neu, indem Wolfgang entsprechend seiner Grundschnelligkeit, nach seinem Rhythmus lief und zusätzlich durch die Organisatoren mehr betreut wurde. Markus, Helmut ‚Stefan und Karlheinz wurden dann von mir betreut.

Im weiteren Verlauf wurde die Stimmung unter den deutschen Läufer besser, wobei sicherlich das langsame Abheilen der Blasen und Blessuren bei den Läufern einen wesentlichen Betrag leistete. Die Rennbedingungen waren zwar immer noch chaotisch und schlecht, jedoch stabilisierten sich die Gemütszustände der Läufer durch heftiges Lästern über die Unfähigkeit der Organisatoren. Ein Übriges trug der Gewöhnungseffekt bei, so daß alle deutschen Läufer mittlerweile sehr gut drauf waren.

LTF: Wie fit sind Markus und die anderen vier deutschen Cracks, sind sie gesundheitlich gut drauf?
Das bewältigen der Nullarbor-Wüste gab allen einen erheblichen Motivationsschub. Die meisten größeren Blasen sind bei allen Läufern abgeheilt und fast schon vergessen. Kleinere Blasen und Schürfwunden (Wolfgangs Sturz) gehören zum Alltag. Durch den kontinuierlichen und disziplinierten Laufrhythmus von Helmut, Stefan, Markus und Karlheinz gingen alle vier Läufer verantwortlich und vorausblickend mit ihren Kräften und Ressourcen um. Die Angst vor Überlastungsverletzungen besteht natürlich permanent.

Während Helmut, Karlheinz und Stefan konstant ihren durchschnittlichen 7-8 km/h Laufschnitt liefen und sich dabei trotz der Anforderungen offensichtlich wohlfühlten, begann Markus in den letzten Tagen seine Durchschnittsgeschwindigkeit zu erhöhen und fühlte sich dabei auch wohl. Wolfgang ging es bei meiner Rückkehr sehr gut, er litt zwar unter kleinen Beeinträchtigungen nach einem Sturz (beim Ausweichen von einem „Roadtrain" ging er auf's tiefer liegende Bankett und blieb mit den, in der Zehenregion aufgeschnittenen Schuhen an der Straßenkante hängen...) läuft aber sehr gut und beeindruckt durch seine Laufleistungen bei vergleichsweise schlechterer Betreuung.

LTF: Sind die Läufer optimistisch, Canberra zu erreichen?
Nachdem fast ¾ der Strecke( 3000 km) mit unvorstellbaren Anforderungen an die Läufer geschafft waren, sind alle deutschen Läufer verhalten optimistisch, Canberra zu erreichen. Stefan zählt schon seit Wochen die Tage bis zum Erreichen des Zieles.

LTF: Wie sind die Bedingungen, die Organisation, Stimmung, Wetter, Verpflegung usw?
Von den deutschen Läufern war oftmals zu hören, daß die Organisatoren in Deutschland bereits im Gefängnis gelandet wären und das Rennen gar nicht genehmigt bekommen hätten bzw. daß das Rennen bereits abgebrochen worden wäre. Der Lauf ist nun mal einzigartig und findet in Australien statt .... Zweifelsohne ist es schier unmöglich, ein Rennen über 4500 km umfassend zu organisieren. Insbesondere bei der Durchquerung der Nullabor, wo häufig zwischen den Roadhäusern 80 km und mehr liegen (mit Roadhaus ist eine Zapfsäule, ein kleines Restaurant mit mehr oder (meist) weniger Angeboten und ein äußerst bescheidenes Motel mit kleinen Zimmern gemeint), waren die Organisatoren neben vermeidbaren Unzulänglichkeiten mit erheblichen logistischen Problemen konfrontiert.
Beim Durchqueren der Nullabor war das deutsche Team meist froh, für 5 Personen ein Dreibettzimmer zu ergattern. Nachdem die Deutschen meistens als Letzte ins Ziel kamen, waren öfters die Zimmer schon weg. Wer nun glaubt, dass die Organisatoren die Ankunft der Läufer vorbereitet hätten, der irrt. Die Organisation der Unterkunft blieb den Läufern freigestellt. In den ersten Wochen in der Nullarbor-Wüste war es das größte Problem, genügend genießbares Trinkwasser aufzutreiben, da meist nur abgestandenes Regenwasser (wenn überhaupt) zur Verfügung stand. Nach mehreren Wochen gelang es den Organisatoren, Trinkwasser in Kanistern zu organisieren. Es war Trinkwasser. Leider roch das Wasser penetrant nach Vanille, da es in gebrauchten Kunststoffkanistern transportiert wurde, in denen ursprünglich Vanillekonzentrat aufbewahrt wurde.

Daß ein Rennen mit so wenig organisatorischer Vorplanung durchführbar ist, hätte ich mir vor dem Rennen auch nicht vorgestellt. Das smarte Lächeln der Organisatoren Jesse Rily und Bernie Farmer auf Nachfragen, bleibt mir aber ewig in Erinnerung. Wesentliche Einschnitte und organisatorische Veränderungen kamen dann nach dem Tod von Bryan Smith.
Wurden Klagen und Beanstandungen der Läufer seitens der Organisatoren vor dem tragischen Ereignis damit abgetan, daß es eben das schwerste Rennen sei und den Läufern nichts versprochen wurde, rückten nach Ceduna die Interessen und die Sorge um die Gesundheit der Läufer mehr in den Fokus der Organisatoren. Die Etappen wurden dahingehend gekürzt, daß keine Etappe mehr über 80 km zu bewältigen war, was für Helmut, Stefan Karlheinz und Markus zehn bis elf Stunden auf der Straße bei manchmal 40°C und mehr bedeutet hatte. Insbesondere nach Port Augusta führten die Etappen täglich durch mehrere kleine Ortschaften, wo es Einkaufsmöglichkeiten und insbesondere Eis zur Kühlung der Getränke zu kaufen gab. Gleichzeitig standen vermehrt Hallen als Unterkünfte zur Verfügung.

Bei meiner Abreise aus Tailem Bend (100 km südöstlich von Adelaide) waren die Bedingungen der Nullabor und die damit verbundenen Entbehrungen fast schon Erinnerung und vergessen, so daß die Rennbedingungen, an australischen Maßstäben gemessen, ok sind.

LTF: Könntest Du uns bitte einen TA- Alltag so nahe wie möglich darstellen?
Der Renntag begann und beginnt täglich 2 Stunden vor dem Start. Mit frühstücken (Geschirr abwaschen), ausgiebiger Körperpflege (Ich wußte gar nicht, was man mit Vaseline alles eincremen kann...), Fußpflege, Sonnenschutz, Klamotten verstauen, manchmal Zeltabbau, Anfahrt zum Startplatz (Schlafmöglichkeiten waren oft 30 km und mehr vom Startplatz weg) usw. Je nach Startzeit, die in der Nullarbor öfters um 4.00 Uhr morgens anberaumt wurde, hieß es um 2.00 Uhr aufstehen. Nach Ceduna wurde die Startzeit auf 6.00 Uhr morgens festgelegt, so daß der Wecker auf 4.00 Uhr gestellt werden mußte.

In der Dunkelheit am Start wurden dann seitens der Organisatoren meist dürftig und vage die Streckenführung und die zu bewältigende Etappenlänge bekannt gegeben. Eine Wegbeschreibung gab es während meiner gesamten Betreuungszeit nie. Für die deutschen Läufer standen dann, mit kleinen Ausnahmen bei zwei kürzeren Etappen, 8 bis 12 Stunden Asphalt bevor. Während die Läufer in der Spitzengruppe (Kruglikov, Derxen, Sakurai, Mravlje) jeweils einen eigenen Betreuer haben und über die gesamte Etappe alle 3 km mit Getränken versorgt wurden und werden, erfolgte die erste Verpflegung für das gesamte deutsche Team nach 10 km und dann alle 5 km. Bei längeren Etappen und großer Hitze wurden Stefan, Karlheinz, Helmut und Markus am Ende der Etappen alle 4 km mit Essen und Getränken versorgt. Währen des Laufes müssen sich die Läufer auf den entgegenkommenden Verkehr konzentrieren (Pkw's und „Roadtrains„), sich durch Handgruß zur eigenen Sicherheit bemerkbar machen und dann auf das Straßenbankett ausweichen.

Nach dem Zieleinlauf galt es dann die verbleibende Zeit zur Erholung und Regeneration zu nutzen, den Schlafplatz vorzubereiten (wenn nötig Zelt aufzubauen, Taschen aus Wohnmobil zu holen) die Laufkleidung auszuwaschen und die zehn Füße zu pflegen. Zwischen Erholen und Schlafen gehen, was meist gegen 20.00 Uhr erfolgte, wurde die Zeit von den Läufern ausgiebig mit Essen und Trinken genutzt.

LTF: Was bedeutete es für Dich als Betreuer, die Aktiven zu versorgen?
Neben der Versorgung der Läufer mit Essen und Getränken war es meine Aufgabe, das Wohnmobil (7,5 t) zu fahren, und das Drumherum zu organisieren, Klagen der Läufer anzuhören, aus Schürfwunden kleine Steine zu entfernen und mich um mich selbst zu kümmern.

Für mich als Betreuer begannen die Vorbereitungen für den darauffolgenden Tag mit dem Zieleinlauf und ab dem Zeitpunkt, wo jeder Läufer einen einigermaßen zufriedenstellenden Schlafplatz hatte. Insbesondere in der Nullabor stand die Beschaffung von Trinkwasser und Eis im Mittelpunkt. Bei 40 ° C flossen täglich zwischen 40 und 60 Liter Flüssigkeit (Wasser, Unmengen von Cola, verdünnte Säfte, Getränkemischungen) durch die Kehlen der fünf Läufer. Nachdem oftmals kein Trinkwasser verfügbar war, mußte ich einen Flüssigkeitsvorrat von ca. 200 ( in Worten: zweihundert!!!) Liter bereit halten, der bei jeder erdenklichen Möglichkeit aufgefüllt werden musste. So galt es am Vorabend die erforderlichen Getränke vorzubereiten (Säfte mischen, Brausepulver anzurühren usw.) und irgendwie bereits am Vorabend zu kühlen.

Der Renntag begann dann für mich eine halbe Stunde später als für die Läufer mit dem Einladen und Verstauen der Utensilien von fünf Läufern in das Wohnmobil, Ordnungschaffen, Getränke und Toastbrote für Wolfgang vorbereiten, die Läufer pünktlich zum Start fahren usw . Ich konnte Wolfgang als schnelleren Läufer nur bis km 20 max. 25 versorgen, da danach der Abstand zwischen Wolfgang und der Restgruppe zu groß wurde. Beim Start mußte täglich mit den Organisatoren neu verhandelt werden, wer Wolfgang auf der restlichen Wegstrecke betreut.

Nach dem Start konnte ich 10 km vorfahren, auf die Läufer warten und sie nach ca. 1:15 Std. mit Getränken versorgen. Die verbleibende halbe Stunde am Morgen und der Sonnenaufgang waren die Augenblicke, in der ich Zeit nur für mich hatte. Der Rest des Tages war durch den Rennalltag geprägt, der sich in 5 km-Verpflegungsabschnitten aufteilte und vom Lauftempo der Läufer bestimmt war.

Während ich Wolfgang bei km 10, 15, und 20 jeweils mit Getränken und Kekse, Müsliriegeln und Toastbroten im Laufschritt versorgte, war dies bei Karlheinz, Helmut, Stefan und Markus nicht möglich. So galt es bei jedem Verpflegungspunkt genügend Getränke in geöffneten Flaschen und abwechslungsreiche Snacks bereitzustellen. Das hieß, vier Getränkeflaschen aus der Kühlbox im Auto herauszunehmen, im Eimer an die Straße zu tragen, Kekse, Plätzchen vorzubereiten, Toast mit Erdnussbutter und Honig zu bestreichen oder mit Käse zu belegen sowie Obst mundgerecht vorzubereiten. Damit alle vier durstigen Läufer gleichzeitig und mit möglichst geringem Zeitverlust versorgt werden konnten, war eine Abstellmöglichkeit in Form eines Klappstuhls erforderlich. Der Klappstuhl als erhöhte Abstellmöglichkeit war notwendig, damit sich die Läufer bei der Nahrungsaufnahme nicht bücken mußten, was sie durch die einseitigen Belastungen der Muskeln im Rennverlauf eh nicht mehr konnten. Nach maximal drei bis fünf Minuten waren die Läufer versorgt und liefen weiter. Für mich hieß es nun, die Flaschen und Utensilien im Auto zu verstauen und an den nächsten Versorgungspunkt zu fahren. Da begann der eben geschilderte Ablauf erneut. Bei einer 80 km Etappe und 15 Versorgungsstellen hieß dies, 60 Flaschen auf- und zuzuschrauben, 15 (!!!) Toastbrote irgendwie mit einem schmackhaften Belag zu belegen, 15 x kleine Überraschungen bzw. Abwechslungen (einmal Kekse mit Füllung, 1x ohne, 1x Nüsse, 1x Obst usw.) zu belegen. Stefan erzählte mir später, daß die kleinen Abwechslungen bei der Verpflegung die Monotonie des Laufens unterbrachen und motivierend wirkten... (Womit man Männer zufrieden stellen kann ...?!)

Abwechslung kam in meinen Betreueralltag durch das Erfüllen von Sonderwünschen: Markus und Helmut mögen gerne Obst, Karlheinz ißt weder Obst noch rohes Gemüse, sprich auch keine Tomaten, Helmut verabscheut Erdnußbutter, liebt dafür Marmelade in jeglichen Geschmacksrichtungen, alle zusammen lieben Eis und „Vegieburger", den es vereinzelt an Roadhäusern gab. Kam ein Roadhaus in erreichbare Nähe, was selten war, mußte ich natürlich während des Rennens vorfahren und zwischen den Versorgungspunkten „Vegiburger" besorgen. Gleichzeitig konnte ich dann Eis zur Getränkekühlung besorgen und das Auto volltanken (In der Nullabor war tatsächlich auf einer Strecke von 200 km kein Diesel verfügbar!)

Da häufig im Ziel keine Unterkunft und somit keine Kochgelegenheit zu Verfügung stand, war improvisiertes Kochen mit einem großen Topf im Wohnmobil angesagt. Sprich: Ich nutzte die Zeit während des Rennens, um Linsen einzuweichen oder Reis zu kochen, Linsen oder Reis in jeglicher Form aufzukochen und mit Handtüchern in einer Styroporbox zu garen. Es ist unvorstellbar, in welcher Geschwindigkeit und Menge die Läufer Reis, Kartoffeln, Nudeln und Kartoffelbrei verzehren konnten.

Neben der materiellen Versorgung der Läufer galt es die emotionalen und psychischen Belange der einzelnen Läufer zu berücksichtigen und die Gruppedynamik nicht aus den Augen zu verlieren. Insbesondere war immer wieder wichtig, das Gespräch mit den Organisatoren zu suchen und Missverständnisse und bestehende Irritationen aufzuweichen.

LTF: Wie schätzt Du die zur Zeit führenden Läufer ein, sind sie zu schnell unterwegs, werden sie das rasante Tempo halten?
Kruglikov und Derxen legten bisher ein unvorstellbares konstantes Tempo vor. Während des gesamten Rennens bestand die einhellige Meinung, daß beide das Tempo nicht durchhalten können bzw. verletzungsbedingte Ausfälle in der Spitzengruppe Veränderungen ergeben werden. Nachdem dreiviertel des Rennens um sind und beide immer noch ihr konstantes Tempo laufen, kann es sein, daß sie doch nicht zu schnell unterwegs waren. Natürlich ist das Rennen erst in Canberra entschieden und während 1000 km kann noch viel geschehen.

LTF: Wie hat die Öffentlichkeit in Australien den tragischen Tod von Bryan Smith aufgenommen?
Dazu kann ich kaum etwas sagen, da in den australischen Medien kaum über das Rennen berichtet wurde. Nachdem das Rennen mit Erreichen der größeren Städte mehr Aufmerksamkeit in den Medien erfährt, wird sicherlich auch der tragische Tod für Diskussionen sorgen.

LTF: Wie motivieren sich die Läufer und Betreuer jeden Tag?
Zu den Läufern kann ich wenig sagen. In Gesprächen mit den fünf deutschen Läufern kam häufig die Aussage, daß das Laufen und die Bewältigung der unvorstellbaren Distanz von 4500 km zu 80 Prozent im Kopf entschieden werde. Nach dem Rennen besteht sicherlich ausführlich Gelegenheit, die Läufer zu fragen.

Meine Motivation war, die Läufer jeden Tag gesund und heil ins Ziel zu bekommen und dabei Spaß zu haben, die Landschaft intensiv wahrzunehmen und die unterschiedlichsten Ameisenarten zu beobachten. Angeregt durch den ausgeschiedenen Läufer Kawika Spaulding (Hawaii) war es täglich überraschend, was alles am Straßenrand zu finden war ....

LTF: Kannst Du uns abschließend noch eine Anekdote erzählen?
Eine Anekdote zwar nicht, es dürfte aber für deutsche Läufer interessant sein, wie vor Ort mit dem Schuhmaterial improvisiert wird. Der australische Straßenbelag ist sehr grobkörnig und scharfkantig. Dies bekamen nicht nur Dusan Mravlje und Wolfgang Schwerk bei ihren Stürzen zu spüren, sondern auch die Läufer spürten es an ihrem extremen Laufschuhverschleiß. Insbesondere Stefan Schlett und Markus Müller, die ihre Schuhe an der hinteren Außenferse verstärkt ablaufen, haben bereits eine erhebliche Anzahl von Schuhen verschlissen.
Schon seit Rennmitte sammeln der 63 jährige Australier, Georg Audley, und der Lette Georg Jermolajevs Reste von zerfetzten Autoreifen, die in Massen an den Straßenrändern liegen. Sie schneiden die abgelaufenen Sohlenteile vom Schuh und ersetzen sie mit entsprechend angepassten Gummiteilen aus den Autoreifen. Mit den „renovierten" Schuhen läßt es sich dann mühelos noch 2-5 Etappen laufen. Angeregt von den beiden Teilnehmern starteten nun Markus und Stefan eine eigene erfolgreiche Erprobungsreihe mit „frisierten" Laufschuhen.

Herzlichen Dank Georg, für diesen spannenden Bericht von der Läuferfront!

© Georg Endres, Dirk Wackernagel 1998-2001; http://www.lauftreff-franken.de